kraut und rueben

text zur schmiede 07

vortrag anlaeszlich der praesentation schmiede 07, we are anmerkungen zum freiraum

ich erlaube mir hier ihre gedanken zu entfuehren in den freiraum eines muesziggaengers, diogenes, eines haedonisten und clochards. fuer die diesjaehrige schmiede gefiel mir die rolle der figur, die zu beginn des 20.jhd als bohemien gehandelt wurde.

der/die boheme entwickelt im alltag eine kultur der taetigkeitsvermeidung bis hin zu einer vollstaendigen reduktion auf leibliche notwendigkeiten und geistigen betrachtungen als zb philosophie, schriftstellerei oder zeitungslektuere. in seiner tagesplanung gibt es das wort „tagesplanung“ zuerst einmal nicht. sein hauptaugenmerk gilt in der frueh der entladungstaetigkeit des dickdarms und der befuellung des hoheren bauchraumes. im weiteren verlauf des tages kreist dieser lebensentwurf um eine abfolge von problemumgehungen und verlangsamungen. weit verbreitet unter den mitgliedern dieses weltweit verstreuten stammes ist das exzessive konsumieren div. rausch / genuszmittel. selbst geschriebenes wort als produkt einer taetigkeit ist ihnen suspekt und hoechstes eine notloesung. die beschriebene existenz gefaellt sich um nixtun, sandln und bummeln.

hierfuer erlauben wir uns den begriff "subjektiv orientiertes wirtschaftsmodell"einzufuehren, ein modell das in letzter zeit zunehmend unter druck geratenen ist. wo begriffe wie kostenreduktion, null_budget und konsolidierung regieren hat das "subjektiv orientierte wirtschaftsmodell" nicht nur wenige vertreter, sondern dient weitgehend als abschreckendes beispiel einer moralisch und sittlich verkommenen existenz.

das diese kultur der leistung auswirkungen auch auf kreative freiraeume hat ist eine der ausgangsueberlegungen des kuenstlerkollektives plankton / innsbruck fuer die letztjaehrige schmiede. michael hackl beschrieb die damalige ausgangssituation als bereitschaft zur nichtproduktion, frei vom schaffensdruck aber eben auch frei vom zwang nichts zu produziere. denn, so bemerkt hackl schlau, auch der stillstand kann zu dogma erhoben, zwaenge schaffen und freiraum nehmen. die darauf folgende, letztjaehrige produktion des musikvideos "slap" und des songs kommentierte hackl dann auch folgerichtig als unfall, oder "accidential art". die ueberlegung freiraum als raum fuer handlungslosigkeit zu nuetzen war eine bei aller betriebsamkeit eher unter den tisch gefallene ueberlegung. das sie letztlich zur produktion von "slap" fuehrte, diesem, fuer heurige produktionsideen auffallenden, vorbild, sollte bei all der bewundernswerten tatkraft nicht unter den tisch fallen.

wir gefielen uns also heuer in der rolle des clochards, dessen hauptaugenmerk auf eben jener verlangsamung, jenem passiven genieszen und auf dem problemvermeiden lag. wir kuemmerten uns primaer um die richtige faulenz-raeckelposition als um die nachbearbeitung digitaler daten auf lcd bildschirmen. entscheident fuer das gelingen des tagesablaufs war nicht das erste workmeeting sondern die entleerung zuvor genannter organe. mit frischer nahrung gefuellt wurde auf dem sofa die pause bis zur naechsten befuellung vertroedelt, wasser getrunken, musik gehoert und geraucht. dennoch verbliebene schuldgefuehle gegenueber den werktaetigen, wirkten sich kaum auf die breitangelegte entspannung aus. lediglich die tatsache das der schlafraum 15km weit von der erwaehnten couch lag, wirkte sich negativ in der nixtun-bilanz aus. um nun zurueckzukehren zu plankton und ihrem unfall "slap". in der weise wie sich das letztjaehrige produktionsteam nur durch 3 taegige, voellig dem sozialkontakt gewidmete, nichtproduktion finden konnte, konnten wir nur durch vollstaendige untaetigkeit waerend der gesamten schmiede zu unserem unfall, zu unserer "accidential art" kommen: wir widmeten uns 3 stunden dem verfassen eben dieser zeilen. sehr suspekt, wie gesagt.

english abstract

we would like to diskuss the role that the "freespace" in general, and in the particular space schmiede 07 had. we presume that to be able to use the space as free as possible one needs first to be ready to do nothing, besides emtying and refilling ones organs. only by a deliberate neglect to immediatly dissapearing in different studios, people can meet, talk and think influentially. therefore we bring into mind the social modell of the clochard, which is a technic of slowing and avoiding action. due to michal hackl, member of the artist collective plankton, this deliberate ease was the key factor for the assembly of the productionteam of "slap", one of the most influencal workpieces of last years schmiede.